#28 Jakob Huter

Seit fast 500 Jahren gelingt es den Hutterern, in Gütergemeinschaften zusammen zu leben. Sie orientieren sich am Ideal der Urgemeinde und streben modellhaft nach einer gerechten und friedfertigen Welt. Was viele für naiv oder rückständig halten, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als größte Provokation für eine wohlsituierte, reiche Christlichkeit. Jakob Huter, die prägende Gestalt der Anfangsjahre, wurde 1536 in Innsbruck zum Märtyrer. Wie können christliche Gemeinschaften in einer säkularen Welt stärker als “miteinander teilend” wahrgenommen werden?

#27 Fundamentalismus?

Ohne Frage geschah während der Reformation ein gewaltiger Umbruch. Viele Weichen in Richtung Neuzeit wurden gestellt. Auf der anderen Seite begegnen uns Phänomene, die man aus heutiger Sicht möglicherweise zum Fundamentalismus zählen würde: Hass auf kirchliche Obrigkeit, erbitterter Streit um die Bibel, Verfolgung von Andersgläubigen, Polemik bis ins Extreme und Gewalt in Hinblick auf das bevorstehende Endgericht. Umso wichtiger ist es, dass wir anhand der Reformationsströmungen Muster entdecken, die uns vor der Fundamentalismus-Falle bewahren können.

#26 Pilgram Marpeck

Unter dem Druck der Verfolgung wurden die ersten Täufergemeinden zunehmend dezimiert und verunsichert. Pilgram Marpeck und sein Team engagierten sich dafür, das Beste aus den Anfängen der Bewegung zu behalten und die Extreme zu vermeiden. Insbesondere im Süddeutschen Raum bildete sich ein Netzwerk von lose miteinander verbundenen Täufergruppen, die durch herumreisende Älteste und durch Hirtenbriefe in Kontakt blieben. Marpecks theologische Ansichten sind von Kreativität und Balance geprägt. Leider ist ihre Wirkung kaum über das 16. Jahrhundert hinaus erhalten geblieben.

#25 Hans Denck

Bis 1529 waren die meisten der führenden Täufer aus der ersten Generation bereits gestorben. Auch Hans Denk starb Ende 1527 an der Pest. Obwohl er kein Täufer-Märtyrer wurde, sondern sich kurz vor seinem Tod sogar vom Täufertum distanzierte, war er eine prägende Gestalt. Seine spiritualistischen und gnadenorientierten Ansichten sind ein frühes Zeugnis für ein toleranteres Zusammenleben. Eine Übersicht über die vier täuferischen Hauptströmungen in der turbulenten Anfangsphase der Reformation schließt diese Episode ab.

#24 Augsburger Täufersynode

Ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der Schleitheimer Artikel fand vom 20. – 24. August 1527 in Augsburg eine Konferenz mit 60 Täuferpersönlichkeiten statt. Um sich als junge Bewegung nicht zu spalten, war es wichtig, strittige Fragen zu klären. Hans Hut, ein besonders wirkungsvoller und angesehener Täufermissionar, fand am meisten Unterstützung. Nach der Synode wurden apostolische Boten bis nach Österreich, Mähren und Schlesien ausgesandt. Allerdings kamen viele davon kurz danach um. Die apokalyptische Täuferströmung um Hans Hut begann zu zerfallen.

#23 Die Schleitheimer Artikel

Am 24. Februar 1527 traf sich eine Gruppe von Täufern in Schleitheim, um sich miteinander auf ihre Grundüberzeugungen zu verpflichten. Michael Sattler, ehemaliger Prior eines Benediktinerklosters, gilt als Verfasser der “Schleitheimer Artikel”. Neben der Betonung der Glaubenstaufe, der Bannpraxis, des Abendmahls als Erinnerungsfeier und der eigenen Wahl der Gemeindehirten ging es auch um folgende Punkte: Absonderung von der Welt, Nicht-Gebrauch des Schwertes und Verweigerung des Eides. In den Schleitheimer Artikeln wird eine konsequent pazifistische Position vertreten. Damit wurden sie zum Grundlagendokument für das Selbstverständnis der “Schweizer Brüder” und darüber hinaus.

#22 Balthasar Hubmaier

Die Schriften von Balthasar Hubmaier gelten als die klarsten Darstellungen der täuferischen Lehre in der damaligen Zeit. Als Doktor der Theologie führte er die frühe inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Reformator Huldrich Zwingli in Zürich. In Waldshut und Nikolsburg, den Hauptwirkungsstätten von Hubmaier, kam es zu regionalen, Volkskirchen ähnlichen Täufergemeinden. Weil er aber teilweise dem Einsatz von Waffengewalt zustimmte, wurden seine Lehren in den pazifistischen Hauptströmungen nur eingeschränkt aufgegriffen. Hubmaier und seine Frau starben Anfang 1528 als Märtyrer in Wien.